Historischer Tag am Christkindlmarkt
Nicht der Nikolaus, sondern der Nachtwächter von der "Türmerey" hatte am Freitag einen Auftritt auf dem verschneiten Christkindlmarkt. Dort ging es historisch zu: Mit einer Hellebarde in der Hand verlas Oswin Dotzauer Auszüge der Marktordnung, die 1570 für den Nikolai-Markt erlassen wurde. Der Ingolstädter Christkindlmarkt zählt mit seinen 440 Jahren also zu den ältesten Deutschlands.
Vermischte ein Händler Wein mit Wasser, das erfuhren die Besucher, so musste er fünf Gulden Strafe zahlen. Betteln war nur Einheimischen erlaubt. Und niemand durfte arme Leute schlagen, die auf dem Markt Brot gestohlen hatten. Sie wurden dem Marktvogt übergeben. Der Nikolai-Markt war bis elf Uhr nachts geöffnet, und die Besucher sollten, so verlas der Nachtwächter, "fressen und suffen, solange der Gulden reichet." Bei diesen Worten schmunzelte das Volk an den Glühweinständen.
Herzerwärmend in der klirrenden Kälte war der Auftritt der Hortgruppe "Schlaufüchse": In Sack und Asche standen die Kinder auf der Bühne. "Wir können uns gar keine Geschenke leisten, weil wir so arm sind." Worauf ein Bub erwiderte: "Ist doch doof, Weihnachten ohne Geschenke. Die Hirten waren doch auch arm und haben dem Jesuskind was mitgebracht. Vielleicht ein Schlaflied." Und schon sangen die Kinder das alte Weihnachtslied: "Es wird schon gleich dunkel." Am Schluss fand ein Kind ein Stück Wachs in seiner Jackentasche, das es teilte mit den anderen. So wurden – symbolisch – ganz viele Kerzen gegossen für alle Familien. (Quelle: Donaukurier / Suzanne Schattenhofer)


